Willkommen in der Matrix 2019


Ein gemeinsames Theaterprojekt von professionellen Künstlern und Schülern aus Dresden über Künstliche Intelligenz und die Gefährdung der Demokratie


                                                                       Projektbeschreibung

 

 „Die Demokratie ist eine veraltete Technologie…sie hat Reichtum, Gesundheit und Glück für Milliarden Menschen auf der ganzen Welt gebracht. Aber jetzt wollen wir etwas Neues ausprobieren.“

 

1. Gesellschaftliche Vision:

 

Wie werden wir, die Menschen, die heute in Verantwortung stehen, die Welt hinterlassen?

In welcher Welt, in welcher Gesellschaft werden unsere Kinder und Enkel leben?

Werden auch sie in einer Periode des Friedens, des Wohlstandes für einen großen Teil der Bevölkerung, der gelebten Demokratie, der Freiheit und Selbstbestimmung, der physischen und sozialen Sicherheit leben?

Werden sie über ihre Lebensform sinnerfüllt selber entscheiden können, sich einbringen können in soziale Bewegungen? Werden sie die Vielfalt, die Alternativen, die Unterschiede und Widersprüche als Bereicherungen erleben können?

Werden sie eine lebenswerte Umwelt vorfinden, Städte, in denen sie noch atmen, Strände, an denen sie baden können, Jahreszeiten, gesundes Essen, nachhaltige Produktion?

Werden sie Arbeit und Selbstverwirklichung finden, eine Stellung in der Berufswelt, die sie mit Stolz erfüllt und teilnehmen lässt an der Gestaltung der Gesellschaft?

Wird unsere Welt auch noch ihre Welt sein, unser Land noch ihr Land?

Zweifel sind angebracht.

Unsere Demokratie wird mehr und mehr als simulative Demokratie wahrgenommen, als eine politische Inszenierung, als Scheindiskussion, als Unterhaltung für die Massen. Die wirklichen Entscheidungen treffen Investoren, Großkonzerne, Denkfabriken und ein Heer von Lobbyisten.

Im Namen von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Frauenrechten und mit gefälschten Gründen wird ein permanenter „Krieg gegen der Terror“ geführt. Zerstörte Länder, Millionen Tote und Verwundete, Flüchtlingsströme sind die Folgen. Tausende Menschen in mehreren Ländern sind den Hinrichtungen durch Drohnen zum Opfer gefallen – ohne Anklage, ohne Beweise, ohne das Recht auf Verteidigung, ohne Richterspruch. Humanistische Werte sind unteilbar. Ihre Aussetzung schlägt auf uns zurück und wirft grundlegende Fragen nach unseren Werten und unserem Gesellschaftsmodell auf.

„Die NSA sieht alles, Google weiß alles, Apple hört alles mit.“ Regierungen, Geheimdienste und Großkonzerne arbeiten nachweislich an der Totalüberwachung. Unter dem Vorwand der Terrorabwehr und Sicherheit werden Staaten, politische Bewegungen, jeder Einzelne, ja sogar das Handy der Kanzlerin überwacht. Es geht um unsere Grundrechte, Krankenversicherung, Arbeitsvertrag, Bankverbindung, die Möglichkeit, in ein Flugzeug zu steigen, eine notwendige Operation. Der Einsatz der Künstlichen Intelligenz wird unsere Gesellschaft und die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Es geht um unseren Wert als Menschen.

Große Finanzdienstleister und Ratingagenturen haben mehr Macht als Staaten und können bei „Fehlverhalten“ dieser Staaten die Wirtschaft, die Währung oder das gesamte soziale System zerstören. Die ökonomische Ungleichheit zwischen den Staaten und innerhalb der Staaten wächst weltweit und untergräbt demokratische Strukturen, Grundwerte und den solidarischen Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Der Klimawandel könnte weltweit und regional verheerende Folgen haben, die Klimaziele werden aber regelmäßig verfehlt. Der Agrarindustrielle Komplex verhindert mit Massentierhaltung, Genmanipulation und Einsatz von Chemie auf den Feldern die nachhaltige Bewirtschaftung und steigert die Umweltzerstörung.

Dies ist nur ein kurzer Abriss der möglichen Probleme und die Frage bleibt:

Soll diese Welt die Welt unserer Kinder sein, dieses Land ihr Land?

 

„Diktaturen sind entstanden und wurden geduldet, weil das Gefühl für die Würde und das Recht der Persönlichkeit nicht mehr genügend lebendig war.“

 

2. Künstlerische Vision:

 

„Willkommen in der Matrix“ soll eine Text – Ton – Bild – Collage werden, bei der wir Szenen, Monologe, dokumentarisches Material, persönliche Erlebnisberichte und mögliche Zukunftsprojektionen zu einem Gesamtbild verarbeiten wollen, das uns in eine verwirrende und kaum greifbare, das menschliche Maß verloren habende nahe Zukunft verweisen soll.

Dabei soll es eine Zusammenarbeit von professionellen Künstlern und Dresdner Schülern geben. Teil der Inszenierung sollen Interviews zu den Zukunftsvorstellungen der Schüler sein, die von den Jugendlichen selbst erarbeitet werden und als Videos in die Inszenierung eingebettet werden.

„Willkommen in der Matrix“ soll sich dem Thema „Gefährdung der Demokratie“ mit unterschiedlichen Mitteln und von verschiedenen Ausgangspunkten her nähern. Es soll ein surreales, groteskes, bedrohliches Bild einer möglichen Zukunft beschrieben werden, einer Welt der Vereinzelung in der Vernetzung, der Bedrohung in der Sicherheit, der Manipulation in scheinbarem völligen Individualismus.

„Willkommen in der Matrix“ soll aber auch Ursachen und Mechanismen aufzeigen und sinnlich nachvollziehbar machen. Durch die kaleidoskopische Herangehensweise wollen wir die unterschiedlichen Gefährdungen der Demokratie herausarbeiten und die Zuschauer in eine Matrix zwischen Düsternis und Lächerlichkeit entführen, in der der Mensch, auf Produzent und Konsument reduziert, der Selbstbestimmung und Würde beraubt, selbstvergessen sein Ego feiert.

 

Hier einen Anriss möglicher Themen und Szenen:

 

1. Das Weiße Rauschen – Eine Paartherapie.

2. Meine größten Erfolge – Margaret Thatcher erzählt.

3. Was uns allen wichtig ist – Empfehlungen aus dem Netz.

4. Aus sicherer Höhe – Ein Drohnenpilot berichtet.

5. deny, disrupt, degrade, deceive, destroy – Misch dich nicht ein.

6. Wo bin ich? – Eine alte Frau erzählt aus ihrer Jugend.

7. Wer bin ich – Die Vermassung des Ich`s.

8. Freiheit - In der Einsamkeit der Gegenmeinung.

9. Alles ist gut  - Betreuung durch Computer im Alter.

10. Wie wir das sehen – Was die Jugendlichen denken.

11. Wir machen uns frei – Ein Fluchtversuch.

 

„Willkommen in der Matrix“ soll ein theatralisches Projekt sein, das zur Diskussion auffordert, soll ein Projekt der politischen Bildung sein und sich vor allem an junge Menschen wenden, soll auf den Zustand und die Gefährdung der Demokratie aufmerksam machen, auf die Unterhöhlung und die bewusste Manipulation der Bürger.